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Ziele

Ziele der psychiatrischen Versorgung

Im Bereich der Psychiatrie haben sich in den letzten Jahrzehnten wesentliche Verbesserungen ergeben. Einerseits durch die verbesserten Behandlungsmöglichkeiten mit Psychopharmaka, andererseits aber auch durch die Entwicklung der Psychotherapie und psychosozialer Methoden ist es nun möglich, dem Großteil der Patienten eine adäquate und humane Hilfe angedeihen zu lassen.

Diese Entwicklung hat dazu geführt, dass die großen Patientenasyle alten Stils praktisch aufgelassen werden konnten. Die durchschnittliche Behandlungsdauer einer psychiatrischen Spitalsaufnahme liegt etwa bei zwei Wochen. Langzeitunterbringung im Spital ist praktisch völlig verlassen.

An der Landesnervenklinik in Linz soll in den nächsten Jahren die Langzeitunterbringung völlig eingestellt werden. Derzeit gibt es noch etwa 70 solche Patienten. Die psychiatrische Versorgung soll dezentralisiert und möglichst nahe am allgemeinen Gesundheits- und Sozialsystem stattfinden. Das Schlagwort heißt: Der psychiatrische Patient soll das Krankenhaus durch die gleiche Tür betreten wie jeder andere.

In Oberösterreich sind sechs Psychiatriestandorte vorgesehen, neben Linz noch Wels, Steyr, Freistadt, Gmundnerberg/Vöcklabruck und Braunau. Damit soll die Nahbeziehung zum sozialen Umfeld im Rahmen der stationären Behandlung ermöglicht werden. Das heißt, es kann eng mit Angehörigen, Familienmitgliedern, mit Sozialämtern, mit Gerichten und Gemeinden kommuniziert werden.

Besonders der ständige Kontakt zur Familie ist sehr wichtig. Auch der Kontakt zu psychosozialen Diensten vor Ort muss während des stationären Aufenthalts angebahnt oder aufrecht erhalten werden. Dasselbe gilt für psychotherapeutische Aktivitäten. Dies kann nur im Rahmen der Dezentralisierung ermöglicht werden.

Im Rahmen der Dezentralisierung werden die Abteilungen und Bereiche verkleinert, sodass sie überschaubare Größen aufweisen und Teamarbeit im wahren Sinn des Wortes geleistet werden kann. Durch die Integration ins Allgemeinspital ist eine nahe Beziehung zu den anderen medizinischen Fächern einerseits hinsichtlich Diagnostik und Mitbehandlung möglich, andererseits ist es auch möglich, dass psychiatrische Betreuung mit anderen Abteilungen ermöglicht wird, was vielen mehrfach erkrankten Patienten und den behandelnden Ärzten eine große Hilfe sein kann.

Das sogenannte psychosomatische Denken wird mehr in die Medizin eingebracht. Im Rahmen der dezentralen stationären Abteilungen sollen auch Ambulanzen und sogenannte Tageskliniken betrieben werden.

Bei den Tageskliniken kann ein Patient, der gute häusliche Bedingungen hat und die Möglichkeit hat, zu Hause zu schlafen, über mehrere Wochen täglich ein volles Behandlungsprogramm absolvieren, welches in etwa dem eines stationären Aufenthaltes entspricht.

Die ambulante Tätigkeit muss zunächst den großen Mangel an psychiatrischen Fachärzten in den dezentralen Bereichen ersetzen. Außerdem kann sie spezielle Behandlungen anbieten, die im Rahmen einer ärztlichen Praxis nicht möglich sind. Auch hier ist die Teamarbeit mit Psychologen, Sozialarbeitern und Psychotherapeuten sehr wichtig.

Im außerstationären Bereich ist es natürlich nötig, die entsprechenden Strukturen, wie niedergelassene Ärzteschaft, Fachärzte, psychosoziale Beratungsstellen, Tagesstätten, geschützte Wohn- und Arbeitsbereiche und Laienhilfe so einzurichten, dass sie für jeden Menschen, der sie benötigt, erreichbar sind. Dies ist die Voraussetzung, dass ein psychologisches Versorgungssystem mit relativ wenig stationären Betten auch funktionieren kann.

Die Entwicklung der Psychiatrie in die eben beschriebene Richtung ist nicht nur ethisch und nach dem dzt. wissenschaftlichen Stand der Psychiatrie sehr sinnvoll, sondern bedeutet auch letztlich eine bessere Verwertung der ökonomischen Ressourcen.