Psychiatrie 4/Forensische Psychiatrie
Pflegekonzept der forensischen Abteilung
In der forensischen Pflege sind neben den Aufgaben der psychiatrischen Gesundheits- u. Krankenpflege, laut § 19 GuKG (Gesundheits- und Krankenpflegegesetz), auch besondere Kenntnisse im StGB (Strafgesetzbuch) und in der StPO (Strafprozessordnung) notwendig.
Bezugspflegemodell
Das Bezugspflegesystem soll der organisatorische Rahmen sein, auf dem die Beziehungsarbeit zwischen Patient und Pflegeperson aufbauen kann. Wichtig dabei ist die Schaffung einer Vertrauensbasis, Fachkompetenz, Einfühlungsvermögen und ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Nähe und Distanz.
Psychiatrisch erkrankte Menschen weisen zumeist auch eine Störung in der sozialen Beziehungsgestaltung auf. Das Wiedererlangen einer gesunden Beziehungsfähigkeit stellt ein wesentliches Pflegeproblem dar und ist Bestandteil des Problemlösungsprozesses.
Der Patient erhält eine Bezugspflegekraft, welche ihn von Beginn des Maßnahmenvollzuges bis zur bedingten Entlassung kontinuierlich begleitet. An die Stelle von vielen so genannten „Einzelmaßnahmen“ tritt ein komplexer Ablauf, der sowohl für den Patienten wie auch Pflegenden überschaubar und daher natürlich planbar ist.
In wöchentlichen Teambesprechungen werden alle pflegerelevanten Themen mit dem interdisziplinären Behandlungsteam abgestimmt und die Ziele koordiniert. Die Behandlungsplanung und –Durchführung erfolgen unter ärztlicher Leitung, in enger Zusammenarbeit mit den anderen Berufsgruppen. Diese führen ihre Aufgaben im Rahmen der fachlichen Kompetenzen selbständig aus.
Die gemeinsamen Ziele sind:
- Alk- u. Drogenabstinenz
- Gesprächsfähigkeit über Straftat, Krankheitsgefühl, ...
- Gewöhnung an die angebotene Tagestruktur
- Impulskontrolle, Umgang mit Frust
- Krisenbewältigung
- Motivationsförderung
- psychische u. soziale Stabilisierung
- Planung für Leben im offenen Bereich, Umgang mit Geld (seine finanz. Möglichkeiten)
- Trainieren von lebenspraktischen Fähigkeiten und erlernen einer Tagesstruktur
- Verständnis für Med.-Therapie
- Verhinderung einer Hospitalisierung
- Vorbereitung für die UdU
- Weichenstellung für die Zukunft
- Zurechtkommen mit Anderen
Die Pflege gliedert sich in 2 Aufgabenschwerpunkte
- in den Akutbereich: Dort steht neben der Behandlungspflege auch der besondere Sicherheitsaspekt im Vordergrund. Es handelt sich hier meist um Patienten, die sich in einem psychischen Ausnahmezustand befinden. Die Verhinderung von Fremd- und Selbstgefährdung, die Behandlung und die Schaffung von Med.-Compliance ist in dieser Phase erstrangig. Weiters werden noch Häftlinge betreut, die im normalen Strafvollzug psychische Probleme bekommen und einer stationären Behandlung bedürfen.
- in den Resozialisierungsbereich:
Hauptaufgabe in diesem Bereich ist den Patienten auf ein Leben nach der bedingten Entlassung vorzubereiten.
Die Patienten werden durch die Verurteilung meist aus dem Familienverband herausgerissen, der Weg zurück bleibt meist durch die gesetzlichen Weisungen versperrt.
Deshalb ist es uns wichtig, dass unsere Patienten Fähigkeiten erlernen, die ein eigenständiges Leben ermöglichen.
z.B.:
Haushaltstraining
Speziell männliche Patienten sollen lernen wie man Waschmaschine und Trockner handhabt.

Kochen
Kochtraining mit Patienten, als Vorbereitung zur UdU und späteren Entlassung.
Ziel:
- Fördern der Alltagsfertigkeiten Kochen und Backen
- Kennen lernen und Anfertigen von preisgünstigen Mahlzeiten
- Gemeinsames Tun uns positives Erleben
- Bestätigung von Fähigkeiten
- Ablenkung vom Krankheitsgeschehen
- Wahrnehmen von Tischkultur und angenehmen Gesprächen
- Stärkung von sozialen Fähigkeiten

Aktivitäten auf der Station
Einerseits macht es großen Spaß Kräuter und Gemüse zu pflanzen, andererseits sieht man sehr gut die Früchte seiner Arbeit!

Außenaktivitäten
Hilft aufgestaute Aggressionen abbauen, und weckt neue Lebensgeister.
Ziel:
- Trainieren von Orientierung
- Ablenkung vom Krankheitsgeschehen
- Förderung von Interessen
- Anregung durch Reize von außen
- Erproben der Belastbarkeit/Reizverarbeitung
